Die Atomfabrik in Lingen

Seit 1979 gibt es in Lingen eine Brennelementefabrik. Heute wird sie betrieben von der Firma “Advanced Nuclear Fuels“, einem Tochterunternehmen des französischen Atomkonzerns Areva, Das Firmengelände liegt versteckt im Wald, nicht weit entfernt vom AKW Lingen II und besitzt nur eine einzige Zufahrt. Dort wird Uranhexafluorid in Uranoxid-Pulver umgewandelt, in Tabletten gepresst und in Brennstäbe verfüllt, die in Atomkraftwerken zum Einsatz kommen. Genau wie die Urananreicherungsanlage in Gronau besitzt die Fabrik eine unbefristete Betriebsgenehmigung und darf selbst nach angeblichem “Ausstieg“ weiter Brennstäbe in alle Welt exportieren.

Angereichertes Uran nicht nur aus Gronau

Die Fabrik wird sowohl mit Uranhexafluorid als auch mit Uranoxid-Tabletten beliefert. Dabei kamen 2013 zweimal Uranoxid-Tabletten von Areva aus den USA, weitere 13 Anlieferungstransporte von Uranhexafluorid und Uran-Pellets erfolgten aus Russland, Pierrelatte und Romans in Frankreich und von der Firma Urenco aus Almelo (NL), Capenhurst (GB) und Gronau. 2014 und 2015 nahmen die Anlieferungen eher zu. Eine Minimierung der Transportwege (beispielsweise durch Bezug von allem benötigtem Uranhexafluorid aus Gronau) wird offensichtlich nicht angestrebt.

Die Transporte aus Russland und den USA erfolgten über den Hamburger Hafen, von dort aus weiter per LKW zur Brennelementefabrik (einen Bahnanschluss hat die Fabrik nicht). Ein Transport aus Russland wurde mehrfach gesichtet: Bereits in Kiel auf dem Nord-Ostsee-Kanal wurden 4 Container mit quer liegenden UF6 Fässern auf der “Kohlmogery“, einem Schiff der Northern Shipping Company gesichtet. In Hamburg wurden sie am 8. Juli 2013 auf drei LKW verladen. über acht Stunden nach Anlegen des Schiffes verließen die LKW das Zollgelände in Waltershof. Danach fuhren sie auf der A7/A261/A1 Richtung Bremen, wo die Polizei einen Beobachter aus dem Verkehr zog. Beim Eintreffen in Lingen konnten die LKW nach drei Stunden Fahrtzeit fotografiert werden (siehe Bild).

Brennstäbe für ganz Europa

Durchschnittlich etwa acht mal im Monat verlässt eine Lieferung mit hergestellten Brennelementen das Areva-Gelände in Lingen per LKW. Ziel sind europäische Atomkraftwerke. Alle oder fast alle Atomkraftwerke in Frankreich werden einmal jährlich aus Lingen beliefert, auch viele deutschen.  Brennelemente werden aber auch nach Finnland, Großbritannien, Belgien, Schweden, Spanien, in die Schweiz und in die Niederlande geliefert.

Weitere Transporte betreffen die “leeren“ Container von der Brennelementefabrik. In den Behältern bleiben Zerfallsprodukte vom Uranhexafluorid zurück, sogenannte “UF6 Heels“. Die von dort ausgehende Strahlung kann ungehindert zur Behälterwand gelangen und so strahlen diese Transporte 50-100 mal so hoch wie an einem vollen Behälter. Aus der Brennelementefabrik in Lingen erfolgten von Januar bis September 2013 etwa zehn solche Transporte in verschiedene Urananreicherungsanlagen der Firmen Areva und Urenco.

Teilweise wurden aus den abgeschalteten BRD-Reaktoren übrig gebliebene Brennelemte nach Lingen zurück gebracht und neu assembliert.

Transporte von und nach Lingen: blau: Versorgung rot: Abtransport der Brennelemente

Transporte von und nach Lingen 2015
blau: Versorgung
rot: Abtransport der Brennelemente

Proteste

Diese Seite berichte über Proteste gegen die Brennelementefabrik in Lingen.

In Bezug auf die Brennelemente, die auch in die Schrottreaktoren nach Belgien und Frankreich geliefert werden, gab es am 31.Januar und am 29. Oktober 2016 in Lingen eine Demonstration, am 1. Februar 2016 eine Blockade. Auch in den Jahren davor gab es regelmäßig Blockaden der Brennelementefabrik.

Stand: November 2016