In Sachen Atomenergie und dem Umgang mit dem strahlenden Tod rücken die Länder der ehemaligen Sowjetunion und allen voran Russland immer wieder ins Licht der Öffentlichkeit. Nicht nur Tschernobyl ist zum Synonym für die Gefahren der Atomkraft geworden. Die Atombombenversuche in Kasachstan, die skandalösen Zustände im Zwischenlager des AKWs Sosnowi Bor bei St. Petersburg oder der Atomunfall von Majak im Südural (1957) sprechen eine eindeutige Sprache. Um die Position als Atomstaat weiter zu festigen, reiste Russlands Präsident Putin im Januar 2001 extra zum World Economic Forum nach Davos. Sein Angebot: Westeuropäische AKWs liefern ihre abgebrannten Brennelemente nach Russland, die dort aufbereitet werden und am Ende nimmt Russland den ganzen Müll noch auf.

Das würde den Platz Russlands in der Atomspriale für westliche Atomstromproduktion weiter festigen. Denn schon das Uran für die in der EU laufenden AKWs kommt zu etwa 30 Prozent aus der ehemaligen Sowjetunion (ESA 2000). Laut Bundesregierung wurde die brd 1996 zu 4% mit Uran aus Ex-UdSSR-Staaten beliefert. Generell ist es sehr schwierig herauszufinden, woher genau das Uran in den Brennstäben stammt. Der Anteil aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion könnte aktuell auch wesentlich höher liegen.

Während in der brd weite Teile der atomkritischen Bevölkerung mit dem Gerede über den so genannten Atomausstieg befriedet werden sollen, plant z. B. die Firma Kazpatomprom, die Uranminen in Kasachstan betreibt, den Ausbau ihrer Produktionskapazitäten und die Erschließung neuer Uranvorkommen mit Hilfe eines 25-Millionen-Dollar-Kredites von der Westdeutschen Landesbank.

Stellvertretend für die Abbaubedingungen in der ehemaligen Sowjetunion soll hier das Abbaugebiet Krasnokamensk etwas näher vorgestellt werden:

Krasnokamensk, Sibirien

Krasnokamensk ist die letzte große Uranmine in Russland, die noch in Betrieb ist, und die größte Uranmine in Asien. Sie befindet sich östlich des Baikal-Sees, im Grenzgebiet zu China und der Mongolei. Seit 1967 wird dort Uran abgebaut, 1995 betrug die Fördermenge 2500 Tonnen Uran. Die Masse der Abraumhalden wird auf 50 bis 75 Millionen Tonnen geschätzt. Sie ist so groß, dass sie 200 Hektar Land mehr als zehn Meter hoch bedecken kann. Und selbst diese Produktionsmengen entsprechen nur einer Auslastung knapp über 50%. Einige Anlagen sind in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten, in denen einmal 70.000 Menschen zu Hause waren.

Die Uranförderung ist ein wichtiger Pfeiler der sibirischen Wirtschaft mit einem Exportanteil von 32% im Jahre 1995. Die derzeitigen Hauptabnehmer sind Firmen aus Frankreich (Cogéma), Schweden und Spanien.

Umweltprobleme

Die gravierendsten Umweltprobleme hängen mit radioaktiv verseuchtem Wasser und dem radioaktiven Gas Radon zusammen.

Verseuchtes Wasser

Das Wasser wird einerseits aus den Minenschächten abgepumpt und sickert andererseits aus den Dämmen. Über 17 Jahre lang wurde abgepumptes Wasser in ein Bodenloch geleitet, 150 Kubikmeter pro Stunde, über 22 Mio. Kubikmeter insgesamt. Mit einer speziellen Technologie konnten zehn Tonnen Uran pro Jahr daraus zurückgewonnen werden. Die Bodenkontaminationen sind noch in zehn Kilometer Entfernung vom Ende der Pipeline nachweisbar. Sickerwasser ist das am stärksten kontaminierte Material, das von Uranmühlen freigesetzt wird, da es sowohl die stark sauren chemischen Stoffe (Nitrat, Chlorid) als auch das gelöste Erz mit der höchsten Konzentration von Uran-Zerfallsprodukten und schweren Metallen enthält. Die kontaminierte Fläche breitet sich jährlich um 150 bis 350 Meter aus. Ein weiteres Problem stellt der stetig steigende Grundwasserspiegel dar; er führt z.B. zur Instabilität von Häusern.

Radon

In einigen Häusern wurden Radon-Konzentrationen von bis zu 28.000 Becquerel (Bq) pro Kubikmeter gemessen; dieser Wert liegt 190 mal über dem Grenzwert, bei dem z.B. in den USA Sofortmaßnahmen gesetzlich vorgeschrieben sind. Siedlungen um Uranminen boten dem Staat eine effektive Möglichkeit, größere Gruppen von Menschen in einem perfiden Feldversuch hohen Strahlenbelastungen auszusetzen. Die Gesundheitsrisiken um Krasnokamensk waren und sind signifikant erhöht.

Ausblick

Wenn auch die Uranförderung an sich schon einen verbrecherischen Umgang mit Lebensgrundlagen darstellt, so gibt es doch Unterschiede im Umgang damit. In Ländern wie den USA, Schweden oder Spanien gibt es Beispiele für Sanierungen von Abbaugebieten. Für Krasnokamensk dagegen gibt es nicht einmal eine umfangreiche Untersuchung und ein daraus abgeleitetes Programm zur Sanierung des Geländes und zur Festlegung von Umweltstandards. Selbst für die am stärksten belasteten Wohnungen ist keine „Lösung“ in Sicht. Bürokratische Hemmnisse verhinderten eine Umsiedlung der Bewohner.

Was ist die brd doch für ein gelobtes Land! Vorbildlich bei den Umweltstandards. Gleichzeitig lässt es sich hier prächtig leben vom Import von Rohstoffen wie Uran, die nur deshalb so billig sind, weil sie in anderen Ländern unter Missachtung selbst minimaler Standards abgebaut werden; hoch ist der Preis vor allem für die Bewohner dieser Gegenden.

zusammengestellt nach Unterlagen des WISE Uranium Project

Paul Robinson, Research Director
Southwest Research and Information Center, USA